Wir Frauen stellen 51% der österreichischen Bevölkerung, sind wichtiger Teil der Gesellschaft, tragen maßgeblich durch unseren Arbeitseinsatz zum Wohlstand bei, leben mit stärkerer Mehrfachbelastung durch Care-Arbeit, Haushalts- und Erwerbsarbeit, um am Ende der aktiven Erwerbszeit mit deutlich geringeren Alterspensionen dazustehen.
Wir tolerieren es, dass uns bei gleicher Arbeitsleistung weniger bezahlt wird, und stellen uns bei der Karriereleiter geduldig hinten an. Wir erhalten als Gründerinnen weniger finanzielle Unterstützung als Männer, obwohl Frauenunternehmen nachweislich sozial-ökologischer agieren und geraten schneller in die Armutsfalle. Vor allem Alleinerzieherinnen lässt die Gesellschaft oft im Stich. Und der politische Ton wird immer häufiger wieder zum „grölenden Männerchor“ und hat gerade einen Rechtsdrall. Wir schauen fassungslos zu, wie Femizide, Gewaltverherrlichung und Homophobie von Männern um uns herum stattfinden.
Geht’s uns noch gut?
Es ist nicht leicht, aber wir brauchen die Ehrlichkeit, zuzugeben, dass Gleichstellung noch immer nur ein Streifen am Horizont ist. Nur dann entgehen wir dem Stillstand oder Rückschritt, nur dann sind wir fähig zu fordern, anstatt zu dulden und uns beschwichtigen zu lassen. Wir Frauen sind bekanntlich Lebenskünstlerinnen und können uns ja vieles schönreden. Aber ohne zorniges Aufstampfen wird keine Veränderung passieren. Ohne laute Töne werden wir überhört. Ohne Sichtbarkeit werden wir ignoriert.
Also: Es geht uns nicht gut!
Armut und soziale Ausgrenzung treffen primär Alleinerziehende und ältere Singles. Und hier geht es in den meisten Fällen nicht um Eigenverschulden! Bei ersterer Gruppe sind zusätzlich Kinder von Einschränkungen und Entbehrung betroffen, die ihre Entwicklung prägen.
Was soll anders werden? Wünschenswert sind beispielsweise …
- mehr Solidarität durch Männer: Wo sind unserer Unterstützer und Mitstreiter für eine gerechtere Gesellschaft?
- mehr Augenmerk auf eine weiblich angemessene politische Vertretung (Frauenquote von 50%) im Parlament und in den Ländergremien. Werden Ungleichheitsthemen ausreichend behandelt, wenn Frauen politisch nicht ausreichend repräsentiert sind und ihre Stimme erheben können? Im Nationalsozialismus waren keine Frauen im Parlament zugelassen.
- Der Altersdiskriminierung von Frauen entgegenzutreten. Einerseits wird das Pensionsalter angehoben und auf der anderen Seite sind aber die Chancen, am Arbeitsmarkt erfolgreich zu sein, (für Frauen über 50 Jahre) gering.
- Gewalt an Frauen und sexistischen Übergriffen entschieden entgegenzutreten. Machtausübung, psychische Einschüchterung, Erpressung, Drohungen, Überwachung und Herabwürdigung von Frauen und Mädchen etc. haben in unserer Gesellschaft keinen Platz. Bestehende Rechte von Frauen sind nicht verhandelbar. Gewalttäter sind am Holzweg und Hasstiraden im Netz feige.
- Frauen- und Kinderarmut im reichen Österreich entschieden entgegenzutreten. Armut ist keine Schuldfrage und braucht eine gemeinschaftliche und strukturierte gesellschaftliche Antwort, aber keine Almosen und Einmalzuwendungen. Wie kann die Zivilgesellschaft eine bessere, langfristige Hilfestellung für diese Personengruppe, insbesondere Alleinerzieherinnen einfordern und unterstützen?
- Die Etablierung von sozialen und ressourcenschonenden Verhaltensweisen für eine angstfreie Zukunft der nächsten Generation. Klimasorgen sind ernst zu nehmen. Der Flächenverbrauch ist einzudämmen und kann nicht im Ermessen von regionalen Zuständigkeiten liegen. Riesige Parkplätze, Einkaufszentren, Containerlagerplätze und Firmenhallen brauchen Beschränkungen. Wir brauchen mehr kühlende Grünräume und mehr Kreislaufwirtschaft statt heißen Betonwüsten.
In diesem Sinne, weiter geht es!
März 2024, Verein WIMEN
