Am 15. Juni hat die WIMEN Generalversammlung stattgefunden – Traude Kogoj (ÖBB) hat zu Beginn einen Impulsvortrag zu den Herausforderungen und Chancen der COVID-19-Pandemie gehalten, nach der Diskussion haben wir anschließend einen Rückblick und Ausblick auf die WIMEN Aktivitäten gegeben.
Herausforderungen und Chancen der COVID-19-Pandemie
Traude Kogoj leitet das Gender Diversity Management im ÖBB-Konzern, dessen Wichtigkeit sich auch in der COVID-19-Krise gezeigt hat, wo es darum ging, eine Pandemie entlang von ganz unterschiedlichen Beschäftigungsgruppen zu organisieren.
Da die Krise nicht nur Männer und vor allem nicht nur Topmanager betrifft, sondern die gesamte Belegschaft im Konzern, z.B. auch Reinigungskräfte, war Gender Diversity Management auch Thema beim Kristenstab im ÖBB-Konzern und Teil der task force, dessen Aufgabe es war, das Krisenmanagement der Bundesregierung auch im Unternehmen umzusetzen.
Spezielles Augenmerk galt den vulnerablen Gruppen und dem Umgang mit Risikopersonen, wobei das Ziel war, auf die unterschiedlichen Lebenssituationen einzugehen, Krisensituationen auch innerhalb der Familien zu vermeiden und Angebote zu erarbeiten und zu kommunizieren um möglichst servicenahe bei den KollegInnen zu sein.
Studien belegen außerdem, dass Home-Office vor allem für Frauen Karrierenachteile zur Folge hatte, da in erster Linie sie die Aufgaben, die pandemiebedingt nicht mehr delegieren werden konnten (v.a. Betreuungspflichten), übernommen haben. Auch im ÖBB-Konzern ist im Vergleich zum Vorjahr der Anteil an Frauen in Führungspositionen zurückgegangen. Noch größer ist der backlash für Frauen mit mulitkulturellem Hintergrund, sowie Arbeiterinnen, die oftmals in infrastrukturrelevanten Arbeitsfeldern tätig sind und vor allem bei sozial schwachen Familien, die in kleineren Wohnungen zusammenleben.
In Break-Out-Sessions wurde anschließend diskutiert, wie die Pandemie wahrgenommen wurde, sowie über das letzte Jahr reflektiert und die Erkenntnisse mit den Annahmen und Vermutungen, die Traude Kogoj im Mai 2020 aufgestellt hat, zu vergleichen.

Traude Kogoj berichtet, dass aus Befragungen hervorgeht, dass das Home-Office anfänglich durchwegs positiv aufgenommen wurde, sich mit der Zeit allerdings Ernüchterung eingestellt hat, angesichts der Schwierigkeit, Dinge nicht face to face ansprechen zu können. Der fehlende Austausch wird je nach Persönlichkeit unterschiedlich empfunden.
Andere Mitglieder berichten, dass während es in kleineren Firmen mehr ums blanke Überleben während der Pandemie ging, es in größeren Unternehmen teils konträre Ansätze gab: während manche darauf bedacht waren, dass keine cluster entstehen, galt in anderen Anwesenheitspflicht, teils auch ohne Maske. Je besser die Kommunikations- und Vertrauensbasis schon vor der Krise war, desto flexibler konnte auf die neue Situation reagiert werden. Der fehlende persönlichen Austausch wirkte sich negativ auf dieses Vertrauensverhältnis aus, teambuilding und onboarding gestalteten sich virtuell schwierig.
