WIMEN Newsletter 2016/2

Wo bleiben die jungen Flitzerinnen?

Im Zuge der Erstellung eines Beitrags für die 10. Österreichische Fachkonferenz für FußgängerInnen 2016 des Vereins Walk-space.at erhoben die WIMEN-Mitglieder Eveline Braun und Susanne Wolf-Eberl welche Fortbewegungsmittel mittels Körperkraft Burschen und Mädchen im Alter von 14-24 Jahren in Österreich nutzen.

Für den Weg zur Ausbildung bzw. zur Arbeit dominiert (bei der Individualmobilität) das motorisierte Zweirad: 33% bewältigen diesen Weg mit Moped oder Mofa (eher Burschen als Mädchen). 10-11% geben an, für diese Strecke entweder einen Miniscooter, ein Skateboard, Inline Skates oder ein anderes mit Muskelkraft betriebenes Gerät zu verwenden.

In der Freizeit geht der Nutzungsanteil des Mopeds deutlich zurück (auf 19%), die Verwendung der Inline Skates steigt stark an (32%), gefolgt von diversen anderen mit Muskelkraft betriebenen Geräten (23%), dann – explizit – Miniscooter (18%) und Skateboard (17%). Diese Zahlen weisen darauf hin, dass die Fortbewegung mit Körperkraft gerade in der Freizeit für junge Menschen im Alter von 14-24 durchaus attraktiv ist (siehe Abb. 1).

Abbildung 1: Angaben zu Fortbewegung, Altersgruppe 14-24; n=155; rep.Österreich

Wie hoch ist der Anteil der Nutzerinnen – oder sind diese Fortbewegungsformen eine männliche Domäne?

Ausgewertet nach dem Geschlecht zeigt sich, dass Burschen im Freizeitbereich und noch viel mehr für den Arbeitsweg, eher ein Gerät benutzen als junge Frauen. Es gibt allerdings eine Ausnahme: beim Inline Skating in der Freizeit haben die Mädchen die „Nase vorn“. Insgesamt haben aber die Mädchen und jungen Frauen hier Nachholbedarf. Gerade die regelmäßigen Wege tragen zum Routinegewinn maßgeblich bei.

Wie subjektiv sicher fühlen sie sich bei der Bewegung mit diesen Geräten? 83% meinen, „ich beherrsche mein Fortbewegungsmittel/Fahrzeug sehr gut“, wobei Burschen hier mehr von sich überzeugt sind als Mädchen. 77% geben an, dass es ihnen Spaß macht, schnell unterwegs zu sein, was dafür spricht, dass das Tempo bzw. die Möglichkeit zu Tempo, eine wichtige Rolle spielen. Die Geschicklichkeit beim Fahren hat einen weniger hohen Stellenwert, hier stimmen nur 47% zu (Burschen deutlich mehr als Mädchen). Ein gutes Drittel gibt an, die Herausforderung, das „an die Grenze gehen“ zu suchen (mehr Burschen als Mädchen). Das ist eine durchaus jugendtypische Haltung, impliziert aber auch gefährliche Situationen, nicht nur für den/die Jugendliche/n selbst, sondern auch für andere VerkehrsteilnehmerInnen, wenn das im gemeinsamen Raum gelebt wird. Interessant ist die Antwort auf die Frage nach dem Gefühl eigener Sportlichkeit: Hier stimmen nur 49% zu, und  dabei eher Burschen als Mädchen. Trotz der Nutzung einschlägiger Geräte erlebt man sich selbst oft nicht als „sportlich“, d.h. dass dieses Attribut mit ganz spezifischen, medialen Bildern verknüpft ist. Alltagmobilität scheint hier eher weniger dazu zugehören – hier könnte/sollte sich in der Wahrnehmung bei den Jugendlichen einiges ändern! Dass Skaten, mit dem Scooter im Alltag unterwegs zu sein, einen nicht nur schnell und individuell mobil macht, sondern dass man dabei Sport betreibt und z.B. auch Gewicht verlieren kann, sollte ein Wert werden, der bewusst ist.

Welche Einstellungen haben Burschen und Mädchen zur Fortbewegung mit Geräten am Gehsteig? 71% geben an, vermehrt rücksichtslose FahrerInnen am Geh- oder Radweg zu bemerken. Das heißt, sie sehen hier eher eine Atmosphäre der Konkurrenz als ein Miteinander auf den öffentlichen Verkehrsflächen. Außerdem sind sie so mit vielen negativen Rollenvorbildern konfrontiert. Darüber hinaus könnte das auch dazu beitragen, dass rücksichtsloses Verhalten als soziale Norm gesehen wird – was keinesfalls wünschenswert ist. Immerhin 50% schließen sich der Aussage an, „die/der Schnellere am Gehsteig hat Vorrang“. Interessant erscheint, dass es keinen Unterschied zwischen den Geschlechtern gibt. Beide Geschlechter leiden gleichermaßen unter „rücksichtslosen FahrerInnen“.

41% geben an, dass sie gelegentlich am Gehsteig bzw. im Fußgängerbereich fahren. Diesem Verhalten liegen vor allem Sicherheitsmotive (auch der Eltern) zugrunde.

Insgesamt zeichnet sich ein Bild, dass Mädchen die Fortbewegungsmittel mit Muskelkraft weniger als Burschen nutzen, auch nicht in der Freizeit. Sie haben einen neutraleren Zugang zur dieser Mobilität: Sie müssen weniger an Grenzen gehen, weniger ihre Geschicklichkeit ausleben, obwohl Dreiviertel angeben, ihr Fortbewegungsmittel sehr gut zu beherrschen und es ihnen durchaus Spaß macht, schnell unterwegs zu sein. Dieser neutralere Zugang macht sie aber zu rücksichtsvollen Partnerinnen im Straßenverkehr.

Wo bleiben die jungen Flitzerinnen? Mädchen können mit den Geräten nach eigenen Angaben gut umgehen – jetzt brauchen sie noch den Mut, mehr Sportlichkeit und weibliche Vorbilder, um diese individuelle Mobilität für sich zu nutzen.

Autorinnen: Eveline Braun, Susanne Wolf-Eberl

Ergebnisse Jugendliche-Online Befragung Juni 2016; repräsentativ für Österreich (Daten: Research & Data Competence); Foto: WIMEN

 

Bild: WIMEN

Energie-Wende-Wege für und mit Konsumentinnen und Konsumenten

Der Verein WIMEN eröffnet als Plattform von Fachfrauen Diskussionsräume für eine diversity-sensible und nachhaltige Gesellschaftsentwicklung in den Vereinsthemen – Mobilität, Energie, Umwelt und öffentlicher Raum.

Die Themen Energiewende und Klimaschutz stehen schon seit einiger Zeit - auch in der Diskussion mit externen Expertinnen und Experten - auf unserer Tagesordnung, mit einer für unsere Diskussion zentralen Ausrichtung: Die Vertreterinnen von WIMEN wollen ihre Aufmerksamkeit und Entwicklungsarbeit den Handlungsmöglichkeiten, Veränderungsprozessen und Motivationen der Nutzer und Nutzerinnen widmen.

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Foto: Martina Jauschneg

WIMEN Mitglieder stellen sich vor

DIin Martina Jauschneg

FreiRäume sind Ausgangspunkt meiner beruflichen Tätigkeiten. FreiRäume zeichnen sich durch eine Fülle an Nutzungen und Funktionen aus: sie sind Orte des sozialen Lebens, der Kommunikation, der Begegnung, des Aufenthalts, der Erholung, des Spiels, sportlicher Aktivitäten, der Aneignung, des Unterwegsseins und – nicht zuletzt – der öffentlichen politischen Auseinandersetzung: FreiRäume sind Ort und Ausdruck der Gesellschaft, wobei mir das Bewusstsein über Geschlechterverhältnisse wichtig ist.

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„Frauen verändern Unternehmenskulturen“

„Frauen verändern Unternehmenskulturen“ – unter diesem Titel gestaltete WIMEN auf Einladung des bmvit den internationalen Frauentag am 8. März 2016 im Ministerium.

Mehr als 100 Mitarbeiterinnen des Ministeriums waren anlässlich des Frauentages gekommen, um sich einen Überblick über die derzeitige Situation der Gleichstellung in Österreich zu verschaffen und sich über die gelebte Praxis von Chancengleichheit in Forschung und Entwicklung zu informieren.

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Beitritt WIMENs zum Österreichischen Frauenring, der Dachorganisation österreichischer Frauenvereine

Mitte März stellte WIMEN einen Antrag auf Aufnahme des Vereins in den österreichischen Frauenring und wurde eingeladen sich zu präsentieren. In der darauffolgenden Vorstandssitzung wurde die Aufnahme durch den Vorstand beschlossen.

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WIMEN Termine

Für die zweite Jahreshälfte 2016 möchten wir gerne auf folgende WIMEN-Veranstaltungen aufmerksam machen:

WIMEN Mitgliedertreffen:

  • 13. September 2016, 17:00 Uhr
  • 23. November 2016, 17:00 Uhr

WIMEN Mittagstisch:

  • 11. Oktober 2016, 12:00 Uhr
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