WIMEN and beyond

Neue Studie von Joanneum Research POLICIES „Väterkarenz - Auswirkungen auf Karrieren von Männern“

Am 23. September 2014 wurde im Bundesministerium für Bildung und Frauen die neue Studie von Joanneum Research POLICIES „Väterkarenz - Auswirkungen auf Karrieren von Männern“ präsentiert.

Es geht viel Innovationspotenzial verloren, wenn Frauen aufgrund von Karenz und Wiedereinstieg in Teilzeit ihre Karrierewege nicht gleichermaßen realisieren können wie die männlichen Kollegen. Wie sieht das eigentlich bei den Männern aus? Gibt es bei Ihnen die gleichen Karriereeinbußen? Im oben genannten Forschungsprojekt gingen Helen Schiffbänker und Kolleg/innen diesen und anderen Fragen nach. Denn während die Folgen der Karenzierung zur Kinderbetreuung bei Frauen ein langjähriges Forschungsinteresse der Karriere-, Arbeitsmarkt- und Genderforschung darstellen, sind die Auswirkungen von Karenzunterbrechungen auf den Karriereverlauf von Männern bisher kaum erforscht.
Basierend auf einer umfassenden Literaturrecherche und einer Analyse der Hauptverbandsdaten wurden Karenzväter deskriptiv beschrieben und ihre Einkommens- und Karriereentwicklung mit einer Vergleichsgruppe von Männern ohne Berufsunterbrechung verglichen. Die subjektiven Motive für die Inanspruchnahme der Karenz sowie die Karriereorientierungen der Männer sind Thema persönlicher Interviews und bilden die Basis für die Analyse der Karriereauswirkungen. Personal- bzw. Unternehmensverantwortliche werden zu ihren Erfahrungen und Strategien im Umgang mit Väterkarenz befragt, da die Unternehmenskultur wesentliche Rahmenbedingungen für den weiteren Karriereverlauf nach der Karenz darstellt.

Die Ergebnisse zeigen, dass sich Karenz bei Männern nicht negativ auf ihren Karriereerfolg auswirkt, weil sie sich häufig für eine kurze Karenz entscheiden. Damit bleibt die Betreuungsverantwortung weiterhin bei den Frauen und erschwert ihren erfolgreichen Wiedereinstieg. Das Bundesministerium für Bildung und Frauen setzt sich für mehr Männer in Karenz ein, davon profitieren Eltern und Kinder.

Bei der Abschlussveranstaltung zum Sparkling Science Forschungsprojekt „Väterkarenz – Auswirkungen auf Karrieren von Männern“ im Bundesministerium für Bildung und Frauen präsentierte JOANNEUM RESEARCH die Forschungsergebnisse und Schüler/innen der AHS Rahlgasse Wien, war Kooperationspartner im Projekt, stellten ihre Werbekampagne zu Väterkarenz vor. Alle Forschungsergebnisse wurden gemeinsam mit Schüler/innen des Gymnasiums Rahlgasse erarbeitet und diskutiert.
ÖGUT stellte dabei eine Good-Practice- Broschüre zur Umsetzung von Väterkarenz in Organisationen vor, die anhand der Studienergebnisse erarbeitet wurde. Im Rahmen einer Podiumsdiskussion diskutierten Karenzväter mit Vertreter/innen aus Politik sowie der Projektleiterin Helene Schiffbänker zum Thema „Was braucht es in Österreich, damit mehr Männer in Karenz gehen?“

„Im Herbst starten die Verhandlungen rund um das Kinderbetreuungsgeld-Konto. Gemeinsam mit dem zuständigen Familienministerium soll das derzeitige Modell vereinfacht werden. Damit wollen wir mehr Flexibilität, Transparenz und Vereinfachung für die Eltern“, so Ines Stilling, Sektionschefin im Bundesministerium für Bildung und Frauen im Rahmen der Podiumsdiskussion. Dies soll den Anreiz für Männer in Karenz zu gehen, erhöhen und gleichzeitig deren Karenzdauer erweitern. „Eine längere Väterkarenz ermöglicht, dass sich Eltern die Kinderbetreuung relativ gleichwertig aufteilen. So können Frauen rascher wieder ins Berufsleben zurückkehren und langfristig, über die Karenz des Partners hinaus, einer substantiellen Erwerbsarbeit nachgehen. Kurze Väterkarenzen hingegen erweisen sich eher als ‚Ausflug‘ ins Familienleben und ändern nichts an den klassischen Rollenverteilungen“, erklärt Schiffbänker.

Alle Studienergebnisse auf einen Blick
In der Studie wurde untersucht, wie sich die Karenz bei Akademikern auf ihre Einkommens- und Karriereentwicklung auswirkt. Die Ergebnisse zeigen:
• Karenz bei Männern wirkt sich nicht negativ auf ihr Einkommen und ihren Karriereerfolg aus.
• Väter können dann ohne Karrierenachteile Karenz beanspruchen, wenn sie die Vorstellungen des Arbeitgebers berücksichtigen oder in familienfreundlichen Unternehmen tätig sind: hier können Väter längere Karenzen (bis zu einem Jahr) beanspruchen und in Teilzeit zurückkehren. Das trägt zu mehr Chancengleichheit zwischen Frauen und Männern bei.
• Karenzväter können die Unternehmenskultur positiv verändern: Sie werden zu Pionieren und Role Models, wenn mehrere Väter einer Organisation den Schritt in die Karenz wagen und ihr Karenzdesign nicht (nur) an den Anforderungen des Unternehmens ausrichten, sondern an den eigenen Vorstellungen und Erfordernissen der Familie.

Weitere Infos unter:
http://www.joanneum.at/policies/referenzprojekte/vaeterkarenz-auswirkung... oder auf der Projekthomepage http://www.sparklingscience.at/de/projekte/590-v-terkarenz/
Die Präsentationen der Abschlussveranstaltung sowie die Good Practice Broschüre stehen auf www.oegut.at online zur Verfügung.

Traude Oberzaucher für WIMEN am 14.10.2014