Smart Cities aus Sicht der BenutzerInnen

WIMEN-Vorstandsmitglieder Dr.in Bente Knoll (Verein WIMEN & Büro für nachhaltige Kompetenz B-NK GmbH) und Mag.a Susanne Wolf-Eberl (Verein WIMEN & Research & Data Competence OG) hielten bei den Smart Cities Days 2017 im Wiener Rathaus den Workshop „Smart Cities aus Sicht der BenutzerInnen“ ab.

In der Smart City leben, arbeiten und wohnen unterschiedliche Menschen mit vielfältigen Lebenskontexten, Bedürfnissen und Ansprüchen.

Im ersten Teil des Workshops erläuterte Bente Knoll den Begriff „Diversität“. Dieser umfasst die individuellen, sozialen und strukturellen Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Menschen und Gruppen. Ein Ansatz, diese Unterschiedsdimensionen fassbar zu machen, ist das Konzept „Four Layers of Diversity“ (Lee Gardenswartz; Anita Rowe: 1998).

Der innerste „layer“ umfasst demnach die Diversitätsdimensionen, die – einfach gesprochen – nicht leicht beeinflussbar sind, wie Geschlecht, Alter, Hautfarbe, Ethnizität/Nationalität, sexuelle Orientierungen, Behinderungen bzw. physisch/psychische Beeinträchtigungen. Zum äußeren „layer“ zählen Dimensionen wie Religion bzw. Weltanschauung, soziale Herkunft, Sprache/Dialekt, Ausbildung, Familienstand, Elternschaft u.a.m. Diese Dimensionen stehen auch in einem Wirkungszusammenhang mit der Art und Weise, wie Menschen der Technik generell bzw. technologischen Lösungen für Smart Cities im Speziellen gegenüberstehen.

Forschungen zeigen, dass die Technikaffinität und Technikhaltungen bei unterschiedlichen Personengruppen auch verschieden stark ausgeprägt sind. Wenn beispielsweise die Dimensionen „Geschlecht“ und „Alter“ genauer betrachtet werden, zeigt sich, dass sich Seniorinnen und Senioren bei der Nutzung mobiler Geräte mit einer Vielzahl an Herausforderungen konfrontiert sehen. Ihre Bedürfnisse und Anforderungen werden jedoch bei der Entwicklung von Smartphones, Tablets und Apps derzeit noch kaum berücksichtigt. Jedoch sind trotz vieler Gemeinsamkeiten Seniorinnen und Senioren eine ausgesprochen heterogene Zielgruppe, was vor allem in der individuellen Technik-bzw. Bildungserfahrung begründet liegt.

In der daran anschließenden Diskussion wurde einerseits den Unterschiedsdimensionen, andererseits den vielfältigen Bedürfnissen und Anliegen von Menschen nachgegangen.

  • Welche Bedürfnisse haben unterschiedliche Personen und Personengruppen (Menschen mit Diversitätsdimensionen xx und xx)?
  • Welche Wünsche haben unterschiedliche Personen und Personengruppen (Menschen mit Diversitätsdimensionen xx und xx) an eine Smart City?

Im zweiten Teil des Forums wurde von Susanne Wolf-Eberl zum Transfer von Bedürfnissen und Wünschen in Richtung „Verantwortliche“ von Smart Cities gearbeitet.

Im Vordergrund stand die Idee, die Vielzahl von „smarten Angeboten“ auf verschiedenen Handlungsebenen darzustellen, sodass sichtbar wird, welche Zielgruppen die AkteurInnen mit welchen Aktionen und Lösungen erreichen.


Bild: Susanne Wolf-Eberl

Hier wurde über die Gegensätze Ichzentriertheit versus Gemeinschaftsinteresse als vertikale Achse und Vorreiter versus zögerliche Personen als horizontale Achse vier Räume skizziert. Links unten sind Personen verortet, die Vorreiter und gemeinschaftsorientiert sind. Rechts oben sind Ichzentrierte (egozentrische) Personen, die eher zögerlich und skeptisch auf Neuerungen reagieren.

Die vertikale Achse spiegelt auch gleichermaßen die soziale Verantwortung wieder. In diesen vier Räumen können einerseits das Interesse für die Handlungsfelder (Energie, Mobilität, Gesundheit, Logistik, Innovationen, Architektur, Freizeitaktivitäten etc.) verortet werden aber auch Verhaltensmuster oder das Interesse für Smart Cities Angebote. Die meisten der Hauptfelder (weiße Karten) sind links der vertikalen Achse, also als wichtige Aspekte für Early Adopters verortet.

Brauchen Ichzentrierte (egozentrische) Personen, die gleichzeitig auch Early Adaptors sind, immer neue Güter oder Aktivitäten zur Selbstdarstellung? Sind bei ihnen die soziale Verantwortung und ökologische Aspekte weniger präsent, sehr wohl aber die Leistbarkeit? Welche smarten Lösungen werden diese Personen bevorzugt nutzen? Was finden Sie aufregend an einer Smart City?

Smart Cities Lösungen sind aber auch oftmals als ökologische Vorzeigeprojekte konzipiert. Ist das nicht der Weg, um die zögerlichen und wenig technikaffinen Personen mitzunehmen und mitzudenken?

Der aufgespannte Raum soll zu Überlegungen beitragen, wie auch die weniger technikaffinen Personen adressiert und smart eingebunden werden können und wie die Ichzentrierten Personen auch zu einem gewissen Gemeinschaftssinn animiert werden können. Natürlich gibt es auch die gegenläufige Meinung, smarte Technologien setzen sich ohnehin durch, da diese für alle Vorteile bieten. Wenn aber „Sharing“ und „Abfall“ sowie „Recycling“ Themen sind, die zögerliche und kritische Personen interessieren und wo smarte Lösungen mitgetragen und forciert werden, dann ergeben sich hier wichtige Handlungsfelder, die zu generationenübergreifenden Aktionen und Lösungen beitragen. Das gemeinsame Interesse kann die Technik als Brücke nutzen: Alt lernt von Jung die IKT Nutzung und Jung profitiert von Alt, also beispielsweise von deren Erfahrungen.

Bildung und Lebensmittel werden als wesentliche Faktoren erkannt, die Gemeinschaftsorientierung und Fortschritt zugeschrieben werden. Wie werden diese beiden Aspekte in Smart Cities mitgedacht und mitberücksichtigt?

Smart Cities Lösungen resultieren stark aus dem Druck effizient und ressourcenschonend zu sein, sie sollen den gesellschaftlichen Herausforderungen die Stirn bieten. Aber wie können smarte Lösungen, die die Gemeinschaft unterstützen (Sharing) zu Trends werden, wenn sie doch gleichzeitig das Ego befriedigen müssen?

Das und viele Fragen wie:

  • Welche Forderungen an Smart Cities lassen sich von den Bedürfnissen und Wünschen der BenutzerInnen ableiten, wenn man die NutzerInnen versucht zu unterscheiden und trotzdem versucht sie in ihrer Komplexität mitzudenken ?
  • Welche Wünsche und Vorstellungen haben unterschiedliche Personen und Personengruppen an (von) eine(r) Smart City? Wie ändern sich die Wünsche durch die Gewöhnung an eine fortschreitende technische Unterstützung?
  • Wie können Akteurinnen und Akteure der Smart City auf unterschiedliche Wünsche reagieren? (Entscheidet die Mehrheit oder werden die Widerstände berücksichtigt?) Wie können Akteurinnen und Akteure der Smart City genügend Handlungsspielraum und Vernetzungsaktivitäten für die NutzerInnen einplanen?
  • Wie können Smart-City-Lösungen an die vielfältigen NutzerInnen-Bedürfnisse angepasst werden? Wie können technologische Lösungen auch individualisiert und adaptiert werden? Wie können die NutzerInnen langfristig aktiv Lösungen optimieren?

interessieren uns WIMEN Frauen und diskutieren wir sehr gerne mit Männern.

Susanne Wolf-Eberl und Bente Knoll für WIMEN im Juli 2017