Leben im öffentlichen Raum

(Dr. Marina Mather, http://www.marinamather.com/)

Das Leben im öffentlichen Raum ist für WIMEN nicht nur Maßstab für eine gelungene Stadtentwicklung, sondern Maßstab für das Gelingen einer
Gesellschaft an sich.

 

In den 60/70/80 ziger Jahren ist die Kommunikation von den Straßen hinter die Fernsehschirme verschwunden, das Straßennetz wurde verbreitert und erweitert, Gehsteige dem ruhenden Verkehr, sprich Parkplätzen, geopfert. Übrig blieb ein Bild das uns allen geläufig ist weitgehend funktionsbefreites Abstandsgrün, Mülltonnen und wenige Fahrradabstellplätze an dahinrostenden Treppengeländern.

Heute erleben wir die Renaissance des öffentlichen Raums. Für die Frauen von Wimen heißt das nicht weniger als dass unserem vielfältigen täglichen Anforderungsprofil der entsprechenden Rahmen gegeben wird, und zugleich die Resilienz unsere diversen Charaktere aufzunehmen.

Wir schätzen kurze Wege zwischen Wohnung, Schule, Kindergarten, Beruf und Erholung. Bei der Wahl unterschiedlichster adäquater Verkehrsmittel pro Tag sind für uns übersichtlich und einfache organisierte Schnittstellen zwischen öffentlichem und individuellem Verkehr hilfreich. Wir lassen uns gerne zum Verweilen einladen, schätzen Lebendigkeit und Grün, die Kommunikation mit Nachbarn und lernen Neues kennen. Für Kinder und Jugendlichen wünschen wir uns Spielplätze die echte Phantasie bilden und echte Bewegungsräume, keine Käfige, für die älteren unter uns Sitzmöglichkeiten, die den Blick freigeben auf eine farbenfrohe, lebendige Stadt, die Anregung und Austausch mit allen Altergruppen ermöglicht.

Erst wenn wir verstanden haben, dass die Entwicklung unserer Gehirne und die unserer Kinder ständig und im Dialog mit den alltäglichen Kontexten, der Familie, der Schule und der Gesellschaft, geformt werden und wachsen, werden wir uns besonders der Bedeutung des öffentlichen Raum bewusst, und wie wir darin miteinander umgehen. Das Gelingen einer Gesellschaft an sich ist heute im öffentlichen Raum ablesbar. Auf dem Tahrir Platz in Kairo, im Gezi Park in Istanbul, auf den Straßen von Rio de Janeiro, auf dem Maidan in der Ukraine wird gerade die Gesellschaft im öffentlichen Raum neu verhandelt. Wimen ist sich der hier aufgespannten Dimensionen von öffentlichem Raum bewusst, und wo sich Möglichkeiten bieten, füllen wir sie mit Leben.

Marina Mather, am 12.4.2014